Morbus Cushing

Fall „ Tina“

Nationale
Besitzer: Mustermann Renate, Linz
Patient: Hund „Tina“ , Dackelmischling, wk, braun, geb.2000

Anamnese
15.11.2005:
Polidipsie, Poliphagie
kein Haarwachstum am Rücken und Vorderpfote seit Rasur im August und September,
wiederholte Pyodermien
Weitere Vorgeschichte:
August 2005: Tumor am rechten Vorderfuß mit OP
September 2005: handtellergroße tiefe Pyodermie am Rücken

Klinik
Allgemeinverhalten ggr. vermindert
Ernährungszustand sehr gut (12,7 kg)
Hängebauch, Stammfett
stumpfes Fell mit Alopezie, flächige haarlose Stellen am Rücken und am linken Vorderfuss
Verminderte Hautelastizität
frische und abheilende Exkoriationen; weitere Klinik unauffällig

Untersuchung
Blutbild, Blutchemie
Im Speziellen: Glucose, T4 Test, Cortisol

Blutbild am 15.11.2005
Leukozyten 16.4 G/l ↑ (6.0 – 12.0)
Segmentkernige absolut 14.4 G/l ↑ (3.0 – 9.0)
Lymphozyten absolut 0.3 G/l ↓ (1.0 – 3.6)
Monozyten absolut 0.8 G/l ↑ (0.04 – 0.5)
Lipase 573 U/l ↑ (bis 300)
Cholesterin 10.5 ↑ (bis 10.1)
ALP 2500 U/l ↑ (bis 108)
GLDH 187 U/l ↑ (bis 6)
ALT 310 U/l ↑ (bis 55)
AST 41 U/l ↑ (bis 40)
Globuline 22.6 ↓ (25 – 45)
Phosphor 1.7 ↑ (0.1 – 1.6)
Kortisol 139ng/ml ↑ (5 – 65) entspricht 13.9 μg/dl (0.5 – 6)

Weitere Untersuchungen
ACTH Test
ALP Isoenzym
Röntgen Abdomen
Ultraschall

Befunde Dexa-Test, AP, Rö , US
Post ACTH Cortisol: 550ng/dl
ALP Isoenzym: 65%
Röntgen: mgr. vergrößerte Leber (22.11.2005)
Ultraschall: Leberhypertrophie, NNR beidseits vergrößert sonst unauffällig (29.11.2005)

Diagnose
Hyperadrenocortizismus (Morbus Cushing)

Differentialdiagnosen
Hypothyreose
Diabetes mellitus
CNI
Pyodermie
Da der Blutbefund den HAK Verdacht untermauerte wurde am 18.11.2005 ein erweiterter
Low-Dose-Dexamethason-Suppressionstest (0.01mg Dexamethason/ kg KG) gemacht und
nochmals die Aktivität der ALP, der hitzestabilen ALP, die ALP-Restaktivität nach Erhitzung
über 65°C (eine Restaktivität über 75% spricht für Morbus Cushing) sowie das KortisolKreatinin-Verhältnis im Urin untersucht.
Kortisolwerte: basal 105 ng/ml entspricht 10.5 μg/dl
4h post 123 ng/ml entspricht 12.3 μg/dl
8h post 164 ng/ml entspricht 16.4 μg/dl
Interpretation: da laut Literaturangaben auch ca. 40% der Hunde mit hypophysärem Cushing
keine Suppression auf die Dexamethasongabe zeigen, kann durch diesen Test nicht sicher
bestätigt werden, ob es sich bei Tina um ein adrenales oder hypophysäres Cushing Syndrom
handelt.
ALP 2160 U/l (bis 108)
hitzestabile ALP 1251.1 U/l
Restaktivität 58%
Interpretation: kein eindeutiger Hinweis auf HAK
Kortisolkonz. Urin 188 nmol/l
Kreatininkonz. Urin 763.0 μmol/l
Quotient 246.4 x 10-6
Interpretation: Hinweis auf HAK
In einer Ultraschalluntersuchung waren die Nebennieren beidseits homogen vergrößert, die
Leber stellte sich vergrößert dar.
Aufgrund dieser Ergebnisse wurde am 25.11.2005 die Therapie mit Ketokonazol (Nizoral® )
in einer Dosierung von 10mg/kg KG täglich begonnen.

Blutwerte am 6.12.2005
Leukozyten 22.1 G/l ↑ (6.0 – 12.0)
Lipase 631 U/l ↑ (bis 300)
ALP 3965 U/l ↑ (bis 108)
GLDH 140 U/l ↑ (bis 6)
ALT 319.7 U/l ↑ (bis 55)
Kortisol 191 ng/ml ↑ (5 – 65) entspricht 19.1 μg/dl
Die Therapie mit Nizoral® wurde fortgesetzt.

Blutwerte am 14.2.2006
Lipase 835.5 U/l ↑ (bis 300)
ALP 5300 U/l ↑ (bis 108)
GLDH 145 U/l ↑ (bis 6)
ALT 299 U/l ↑ (bis 55)
Kortisol 122 ng/ml ↑ (5 – 65) entspricht 12.2 μg/dl

 

Am 24.2.2006 wurde die Initialtherapie mit Mitotane (Lysodren® ) begonnen. Tina (10,3kg)
bekam täglich ½ Tablette, das entspricht 25mg/kg KG.

ACTH Stimulationstest 3.3.2006
Kortisol Basalwert 103.0 ng/ml (5 – 65) entspricht 10.3 μg/dl
Kortisol Stim.wert >500 ng/ml (<150) entspricht >50 μg/dl
Interpretation: Bei Therapiekontrollen unter Lysodren sollte der Stimulationswert unter 50ng/ml liegen.

Blutwerte am 15.3.2006
ALP 5550 U/l ↑ (bis 108)
GLDH 86 U/l ↑ (bis 6)
ALT 224 U/l ↑ (bis 55)
Kortisol 158 ng/ml ↑ (5 – 65) entspricht 15.8 μg/dl
Da die Cortisolwerte immer noch nicht merklich gesunken waren, wurde die tägliche Dosis auf
50mg/kg KG erhöht. Tina bekam nun zweimal täglich je ½ Tablette Lysodren® .
” Dr. med.vet. Ernest Kramberger-Kaplan A-4040 Linz / 2007 4

ACTH Stimulationstest 23.3.2006
Kortisol Basalwert 66.2 ng/ml (5 – 65)entspricht 6.2 μg/dl
Kortisol Stim.wert 136.8 ng/ml (<150) entspricht 13.8 μg/dl Leukozyten 20.42 m/mm3 ↑ (6 – 12) ALP 4760 U/l ↑ (bis 108) GLDH 102 U/l ↑ (bis 6) ALT 271 U/l ↑ (bis 55) Blutwerte am 19.4.2006 ALP 1300 U/l ↑ (bis 108) GLDH 107.5 U/l ↑ (bis 6) ALT 170 U/l ↑ (bis 55) Kortisol 74.1 ng/ml ↑ (5 – 65) entspricht 7.41 μg/dl

Am 15.5.2006 berichtete die Besitzerin, dass es Tina sehr gut gehe und dass sie sehr flott unterwegs sei. An den haarlosen Stellen am Rücken zeigte sich bereits wieder Haarwuchs.

Blutwerte am 15.5.2006
Leukozyten 8.2 G/l ↔ (6.0 – 12.0) Segmentkernige absolut7.4 G/l ↔ (3.0 – 9.0) Lymphozyten absolut 0.3 G/l ↓ (1.0 – 3.6) Monozyten absolut 0.5 G/l ↔ (0.04 – 0.5) Lipase 1694 U/l ↑ (bis 300) GLDH 53.9 U/l ↑ (bis 6) ALT 106.7 U/l ↑ (bis 55) Kortisol 118ng/ml ↑ (5 – 65) entspricht 11.8 μg/dl (0.5 – 6)

Am 7.6.2006 war Tinas Fell deutlich nachgewachsen. Ihr Appetit und Trinkverhalten hatten sich zu diesem Zeitpunkt auch normalisiert. Aus diesem Grund wurde zu diesem Zeitpunkt von Initial auf Erhaltungstherapie umgestellt. Tina bekam nun insgesamt viermal pro Woche Lysodren® , dreimal wöchentlich jeweils ½ Tablette und einmal ¼ Tablette.

Blutwerte am 7.6.2006
Leukozyten 10.5 G/l ↔ (6.0 – 12.0) Lymphozyten absolut 0.3 G/l ↓ (1.0 – 3.6) Monozyten absolut 1.2 G/l ↑ (0.04 – 0.5) ALP 1435 U/l ↑ (bis 108) GLDH 91 U/l ↑ (bis 6) ALT 138.7 U/l ↑ (bis 55) Kortisol 52.2ng/ml ↔ (5 – 65) entspricht 5.22 μg/dl (0.5 – 6)

Blutwerte am 3.7.2006
ALP 2150 U/l ↑ (bis 108) GLDH 107 U/l ↑ (bis 6) ALT 204 U/l ↑ (bis 55) Kortisol 99.4ng/ml ↑ (5 – 65) entspricht 9.94 μg/dl (0.5 – 6)

Am 19.7.2006 berichtete die Besitzerin, dass Tina wieder ö fter Heißhunger habe und auch sonst eher matt und in der Hitze sehr schweratmig sei.

Blutwerte am 19.7.2006
ALP 2192 U/l ↑ (bis 108) GLDH 71.1 U/l ↑ (bis 6) ALT 167.8 U/l ↑ (bis 55) Kortisol 111ng/ml ↑ (5 – 65) entspricht 11.1 μg/dl (0.5 – 6) Daraufhin wurde die Therapie mit zweimal wö chentlich jeweils einer Tablette Lysodren® (500mg Mitotane) und einmal ½ Tablette weitergeführt. Bei der Kontrolle am 12.9.2006 zeigt sich „Tina“ stabil. Weniger PU/PD; Kann wieder besser Stiegen steigen. Labor: Leukozyten 7,7G/l ° (6 – 12) Segmentkernige 82% + (55 – 75) Monozyten 9 + (0 – 4) ALT (GPT) 115 + (bis 55) GLDH 116,5 ++ (bis 6) Lipase 462 + (bis 300) Harnstoff 8,8 mmol/l + (3,3 – 8,3) Kreatinin 52,5mymol/l ° (35-106) Cortisol(Basalwert) 66,4 ng/ml + (5 – 65) Weiterhin wird die Dosis zwei mal wö chentlich 50mg/kg Mitotane und ein mal 25mg/kg Mitotane beibehalten. „Tina“ zeigt sich klinisch stabil (PU/PD, Haarkleid, Vitalität… ) und auch konditionell verbessert (steigt wieder Stiegen selbständig).

Diskussion des Hyperadrenocortizismus (Morbus Cushing)
Morbus Cushing ist eine häufige, spontan auftretende Endokrinopathie von Hunden mittleren Alters (durchschnittliches Alter 10 Jahre), die durch die Erhöhung von Kortisol im Plasma gekennzeichnet ist. Eine signifikante Geschlechtsverteilung liegt nicht vor, obwohl NELSON angibt, dass Nebennierentumore anscheinend häufiger bei Hündinnen als bei Rüden diagnostiziert wurden.

Nach Ätiologie erfolgt eine Einteilung in:

Hypophysäres Cushing-Syndrom
(Pituitary Dependent Hyperadrenocorticism, PDH) Durch eine hypophysäre Störung kommt es infolge chronisch erhöhter ACTH-Sekretion zu einer bilateralen Hyperplasie der Nebennierenrinden und folgender vermehrter Kortisolsekretion. In den meisten Fällen handelt es sich hier um einen ACTH sezernierenden Hypophysentumor, meist ein Adenom der Pars distalis. Diese Form macht bei Hunden ca. 80 – 85 % der Cushing-Fälle aus. Betroffen sind laut amerikanischer Literatur vor allem Hunde kleinerer Rassen (< 20kg). Beagle, Boston Terrier, Dackel, Pudel, Terrier aber auch Boxer und Dt. Schäferhund dürften vermehrt betroffen sein.

Adrenales Cushing-Syndrom
(Functional Adrenocortical Tumor, AT) Bei ca. 15 – 20 % der Fälle führen autonome Adenome oder Adenokarzinome der Nebennierenrinde zu einer exzessiven Kortisolproduktion.

Iatrogenes Cushing-Syndrom
Durch langfristige exogen zugeführte Glukokortikoide werden die für die Erkrankung typischen Symptome hervorgerufen. Durch die übermäßig zirkulierenden Glukokortikoide wird die ACTH Sekretion der Hypophyse über den negativen Feedbackmechanismus gehemmt und es kommt meist zu einer bilateralen Atrophie der Nebennierenrinde.

 

Diskussion der Klinik
Zur Diagnosestellung eines Hyperadrenokortizismus (HAK) werden Anamnese, klinische Untersuchung, bildgebende Verfahren und Laboranalysen berücksichtigt.

1. Klinik
Polyurie, Polydipsie:
Kortisol erhö ht die GFR und hemmt die Wirkung von ADH an den distalen Tubuli DD: zentr. Diabetes Insipidus, Niereninsuffizienz, Nierenversagen, Leberinsuffizienz, Pyometra, Diabetes Mellitus, Hyperthyreose, psychogen

Polyphagie:
DD: Diabetes Mellitus, Hyperthyreose, psychogen

Hecheln, Schwäche, Lethargie:
durch den Effekt von ACTH und Kortisol auf die neuromuskuläre Aktivität

Vergrößerter Bauchumfang:
durch Hepatomegalie, Muskelschwäche und Fettumverteilung (vermehrt intraabdominales Fett)

Alopezie und Dermatopathien:
die Alopezie ist meist bilateral symmetrisch, es kann auch nur zur Ausdünnung des Haarkleids kommen. Der Nachwuchs an rasierten Stellen ist schlecht, es können hyperpigmentierte Stellen und Komedonen sichtbar sein. Juckreiz geht meist mit sek. Pyodermie, Seborrhoe oder Demodikose einher, die durch die immunsuppressive Wirkung der erhöhten Kortisolkonzentration begünstigt werden.

Neurologische Symptome:
durch einen stark wachsenden Tumor im Bereich Hypophyse bzw. des Hypothalamus. Es beginnt meist mit teilnahmslosem Verhalten und Stupor, bei entsprechender Grö ße der Neoplasie kann es auch zu Ataxien, Umherwandern, Inappetenz und Verhaltensänderungen kommen.

Dyspnoe:
aufgrund pulmonaler Thromboembolie (PTE). Begünstigend für eine PTE ist wiederum die erhöhte Konzentration von Kortisol im Plasma, die zu einer Hemmung der Fibrinolyse, systemischer Hypertension, einer Glomerulopathie mit Proteinverlust, verminderter Antithrombin III Serokonzentration, erhöhter Konzentration verschiedener Gerinnungsfaktoren und einem erhöhten Hämatokrit führt.

 

2. Diskussion der bildgebende Diagnostik

Röntgen:
Röntgenbilder des Abdomens zeigen oft eine verstärkte Abgrenzbarkeit der Organe durch vermehrte Fetteinlagerungen. Außerdem findet man oft eine vergrö ßerte Leber, sowie eine große stark gefüllte Blase. Selten findet man dystrophische Verkalkungen von Trachea, Bronchen oder abdominalen Gefäßen. Ebenfalls sehr selten sieht man eine Umfangsvermehrung oder Kalzifizierung im Bereich der Nebenniere.

US:
Die Ultraschalluntersuchung hat bei Hunden mit Verdacht auf HAK wichtige diagnostische Funktion. Die rechte Nebenniere findet man zwischen cranialem Nierenpol und der Vena cava caudalis, die linke im Bereich des Ursprungs der A. renalis aus der Aorta abdominalis.
Ein Nebennierentumor wird meist anhand der Umfangsvermehrung einer Nebenniere identifiziert. Die Oberflächenbeschaffenheit ist oft unregelmäßig und es liegt ein Einbrechen des Tumorgewebes in umliegende Gefäße und/oder eine Kompression angrenzender Organe vor.
Bei einer adrenalen Hyperplasie als Folge der gesteigerten ACTH Sekretion bei einem PDH, ähneln sich die beiden Nebennieren in Größe und Form, sind jedoch nicht völlig gleich. Sie können einen Durchmesser von 2cm überschreiten, sollten jedoch glatte regelmäßige Ränder aufweisen und kein invasives Wachstum ins umliegende Gewebe zeigen.

 

3. Laboruntersuchungen

Einige klinisch-chemische Parameter sowie Veränderungen des Blutbildes und des Urins können lediglich Hinweise auf das Vorliegen eines HAK geben, eine Diagnose ist nur anhand von Funktionstests zu stellen.

Das weiße Blutbild ist häufig in Richtung eines Stressleukogramm verändert: Leukozytose (Neutrophilie und Monozytose) sowie Lymphopenie und Eosinopenie.

Zu den wichtigsten Veränderungen in der klinischen Chemie gehören eine Erhöhung der AP (95% der Fälle) und des Cholesterins (90% der Fälle). Die ALT (GPT) ist ebenfalls häufig erhö ht, jedoch ist das Ausmaßder Erhöhung geringer als bei der AP. Eine leichtgradige Erhö hung der Glukose, sowie eine leichtgradige Erniedrigung des Harnstoffes und des T4 kommen vor. Das Serum ist sehr häufig lipämisch.

Weiters kann man die Aktivität der hitzestabilen ALP überprüfen, da durch endo- oder exogene Glukokortikoide vor allem die hitzestabile Fraktion des Enzyms induziert wird. Bei der Urinanalyse zeigt sich oft (85% der Fälle) ein erniedrigtes spezifisches Gewicht (oft < 1.015). Die Patienten können den Urin jedoch stärker konzentrieren, wenn sie einige Zeit keinen Zugang zu Wasser haben. Eine Proteinurie wird häufig beobachtet, da Hunde mit HAK zu Harnwegsinfektionen neigen.

 

Therapie und Verlauf von Hund Tina
(ab 25.11.2005; mangelnder Erfolg)
Ketoconazol orale Therapie gegen Hyperadrenocortizismus (Adrenektomie abgelehnt)
Marbofloxacin als Hautantibiose
Ungesättigte Fettsäuren und Vitamine „Efaderm mite“ als Fell und Hauttherapie

Bluttestkontrollen und klinischer Zustand (PU/PD, Alopezie, matt… ) besserten sich kaum.

 

Therapie und Verlauf von Hund Tina (ab 24.2.2006)
Mitotane (Lysodren) Therapie.
Beginn: 25mg/kg 2x tägl. 3 Tage lang.
Tg ACTH -Test 0,2mg Hund Basis Cortison 102; Nach ACTH 500
Starttherapie bis 7.Tag verlängert Basis Cortison 68; Nach ACTH 137
Erhaltung: 15mg kg 2x wöchentlich

 

Stabile Cortisonwerte zwischen 40 – 70.
Das Fell ist bis Mai (2 Monate nach Stabilisierung) nachgewachsen.
PU/PD deutlich verbessert
Kondition besser – Geht wieder über Stiegen zur Wohnung.

 

Internistische und labordiagnostische Ansätze
Low Dose Dexamethason Test
ACTH Stimulationstest
Harnanalyse (Harndichte, Glucose, Cratinin-Cortison Verhältnis: … )

Routinemässige Blutuntersuchungen:
besonders: Blutbild (WBC, HK), Leberwerte(ALT,AP..), Nieren (Crea, BUN), Cortisol, Glucose, High Dose Dexamethason Test
Endogenes ACTH
Röntgen: Organdiagnostik (Leber, Herz… ), Tumor
Sonographie (NNR, Leber… )

 

Diskussion der Diagnostik

Low-Dose-Dexamethason-Suppressionstest:
Durchführung:
Entnahme einer Blutprobe zur Bestimmung des Kortisol-Basalwerts Injektion von 0.01 mg Dexamethason/kg i.v. Nach 4 und 8 h Entnahme einer Blutprobe zur Bestimmung des Kortisolwerts.

Interpretation:
Für einen PDH sprechen: 4 h Kortisolwert < 1.4 µg/dl und 8h Wert >1,4μg/dl; 4h
Kortisolwert < 50% des Basalwerts und 8h Wert >1,4μg/dl 8 h Kortisolwert
< 50% des Basalwerts aber >1,4μg/dl

Ca. 40% der Hunde mit einem PDH zeigen keine Suppression. Der Test dieser Hunde fällt gleich aus, wie bei Hunden mit einem AT
AT: 4h Wert >1,4μg/dl und >50% d. Ausgangswerts, sowie 8h Wert >1,4μg/dl)
” Dr. med.vet. Ernest Kramberger-Kaplan A-4040 Linz / 2007 10
PDH: Pituitary dependent Hyperadrenocorticism „ Hypophysärer Cushing“
AT: Adrenal Tumor „Nebennieren Cushing“
ACTH-Stimulationstest
Durchführung:
Entnahme einer Blutprobe zur Bestimmung des Kortisol-Basalwerts, Injektion von 2,2 IU/kg
ACTH-Gel (ACTH-Gel® ) i.m oder 0,25mg/kg synth. ACTH (Synacthen® ) i.v. Bei
Verwendung des ACTH-Gels Plasmaprobe 2h post ACTH, bei Synacthen® 1h post ACTH
Interpretation:
Referenzwerte: Kortisol-Basalwert: 0.5-6.0 µg/dl, nach Stimulation: 8-18 µg/dl
Stimulationswerte: >24μg/dl stark verdächtig für HAK
19 – 24μg/dl verdächtig für HAK
8 – 18μg/dl physiologisch
<8μg/dl iatrogener HAK

Der ACTH-Stimulationstest ist positiv bei 80-85% der Hunde mit einem PDH und bei etwa 60% der Hunde mit einem AT. Falsch negative Resultate kommen genauso vor. Falsch positive Resultate bei Hunden mit anderen chronischen Erkrankungen (nicht HAK) sind ebenfalls möglich.

Urin Kortisol: Kreatinin-Quotient
Indikation: Screeningtest für Morbus Cushing mit hoher Empfindlichkeit Probenmaterial: 3x Morgenharn

Bestimmt werden: Cortisol und Kreatinin aus dem Harn und daraus der Quotient gebildet.

Testdurchführung: Urin Tag1 = 1.Probe; Urin Tag2 = 2.Probe; Dexamethasongabe am 2.Tag oral 3x 0,1mg/kg über Tag verteilt; Urin Tag3 = 3.Probe

Bewertung des Cortisol/Kreatinin Quotienten (x10-6 ) der Probe 1 und 2 < 15 kein Hinweis auf Cushing Syndrom 15 – 25 fraglich – weitere Tests >25 Cushing Verdacht – zur Absicherung weiterer Test
< 4 Addison Verdacht

Bewertung Ergebnis vom Tag 3

Wert weniger als 50% -> adrenaler Cushing
Wert mehr als 50% der Proben1,2 -> hypophysärer Cushing

Fällt der Test positiv aus, dann ist ein HAK möglich, es kommen jedoch auch viele andere
Erkrankungen in Frage. Liegt das Resultat hingegen im Normbereich, dann ist ein HAK
wenig wahrscheinlich, kann aber trotzdem nicht ausgeschlossen werden.

 

Basale Kortisol-Konzentration
Eine alleinige Bestimmung der basalen Kortisol-Konzentration ist nützlich bei der Verlaufskontrolle und auch bei der ersten Diagnosestellung eines HAK. Häufig können bei
Cushing Hunden die Kortisolwerte Schwankungen unterworfen sein und auch im oberen Normbereich liegen. Stress kann Ursache für erhö hte Konzentrationen sein. Eine vorherige
Gabe von Cortikosteroiden kann reaktiv zu erniedrigten Cortisol-Konzentrationen führen. Richtwerte für Basale- Cortisol- Konzentrationen sind:

5 -65 ng/ml Normbereich (0,5-6.5 myg/dl)
65 – 90 faglich
über 90 ng/ml Cushing positiv
Tests zur Unterscheidung von PDH und AT

 

High-Dose-Dexamethason-Suppressionstest
Durchführung:
Entnahme einer Blutprobe zur Bestimmung des Kortisol-Basalwerts Injektion von 0.1 mg
Dexamethason/kg i.v. Nach 8 h Entnahme einer Blutprobe zur Bestimmung des Kortisolwerts

Interpretation:
8h Kortisolwert < 50% des Ausgangswerts fi PDH 8h Kortisolwert <1,4μg/dl fi PDH 8h Kortisolwert ≥ 50% des Ausgangswerts fi PDH oder AT

ACTH-Konzentration
Durchführung:
Blutprobenentnahme zwischen 8 und 10 Uhr morgens, spezielle Probenaufbereitung nötig! (Gekühlte Probe in spezialisiertes Labor) Interpretation: ACTH-Werte < 10 pg/ml fi AT ACTH-Werte ≥ 45 pg/ml fi PDH

Therapieansätze
Trilostane: Einziges für Caninen Hyperadrenocortizismus zugelassenes Medikament (Vetoryl) seit Mai 2006 in Ö sterreich. Trilostane hemmt die Steroidsynthese reversibel. Es blockiert die Bildung von Glucocorticoiden und im geringeren Ausmaß auch Mineralcorticoide und Sexualhormone. Dosis: Täglich zu verabreichen: 30mg pro Hund bis 5kg; 60mg pro Hund bis 30 kg und darüber 120mg. Kontrolle der Wirksamkeit: ACTH Stimulationstest: 4-6 Stunden nach Trilostane Gabe durchführen. Nach 14 Tagen, 30 Tagen, 90 Tagen weiters alle 3 Monate oder bei klinischen Auffälligkeiten. Der Post-ACTH-Cortisolwert soll zwischen 20 und 120 nmol/l liegen. Bei unterschreiten des Wertes Trilostane für 48 Std. absetzen, bei überschreiten die Trilostane Dosis steigern. Wechselwirkung: Potenzierung der Wirkung von ACE-Hemmern und Aldosteron Antagonisten (Spironolacton). Mitotane: Ist ein Hemmer der Steroidsynthese und stärker als Trilostane. Bei Überdosis besteht die Gefahr des jatrogenen Morbus Addison (Hypoadrenocortizismus), weil die Wirkung nur im geringen Maße reversibel ist. Man unterscheidet eine Einleitungsbehandlung mit 25– 50 mg Mitotane pro kg täglich für etwa 1 Wo und eine Erhaltungsstherapie mit 20 mg/kg 2x wöchentlich oder 25-50mg kg 1x wöchentlich. Überwacht wird die Einleitungsbehandlung durch Kontrollen des Fressverhaltens und der Trinkwasseraufnahme. Laborkontrolle mit ACTH Stimulationstest ( Post Cortisolwert zwischen 20-120 nmol/l). Die Einleitungsphase kann auch bis zu 14 Tagen dauern. Kontrollen anfangs monatlich dann mindestens alle 3 Monate. Bei rezidiven Stadien (Post ACTH über 250) erneut 3Tage 2omg/kg täglich Mitotane und erneut testen. Nebenwirkung: Hypoadrenocortizismus (Morbus Addison): Post ACTH-Cortisol unter 20. Klinisch: Vomitus, Durchfall, matt, Depression weiters: Hyperkaliämie, Hyponatriämie

 

Medikamentöse Adrenalektomie

75 – 100 mg/kg täglich auf 3 – 4 Gaben aufgeteilt über eine Dauer von 25 Tagen. Gleichzeitig wird mit der lebenslang notwendigen Substitutionstherapie von Gluko- und Mineralocortikoiden begonnen (Prednison initial 0,1 – 0,5 mg/kg 2x tgl.; Desoxycorticosteronpivalat (DOCP) 2,2 mg/kg i.m. alle 25 Tage oder Fludrocortisonacetat 0,02 mg/kg p.o. tgl.

Ketokonazol:
Der Wirkmechanismus besteht aus einer Blockierung der Glukokortikoidproduktion. Die Synthese der Mineralokortikoide wird jedoch kaum angegriffen, deswegen kann Ketokonazol eine gute Alternative zur Mitotanetherapie sein. Die Ketokonazoltherapie wird vor allem angewandt um Hunde vor einer Adrenalektomie zu stabilisieren oder bei sehr kleinen Hunden, wo es zu Dosierungsschwierigkeiten mit Mitotane kommen kann. Die Dosierung beträgt 5 mg/kg 2x tgl. für sieben Tage. Wenn keine Nebenwirkungen wie Inappetenz oder Ikterus auftreten wird die Dosis auf 10 mg/kg 2x tgl. für 14 Tage erhöht. Therapieziel und Monitoring entsprechen dem der Mitotanetherapie. Laut Literaturangaben besitzt Ketokonazol bei 20– 25 % der Hunde aufgrund schlechter intestinaler Resorption keine Wirkung.

L-Deprenyl (Anipryl® )
Wird in der Humanmedizin zur Therapie von Parkinson eingesetzt, weil es die Dopamin Konzentration im ZNS erhöht. Diese bewirkt über ein negatives Feedback die Senkung der hypophysären ACTH Sekretion. Die momentan verwendeten Dosierungen liegen bei 1– 2 mg/kg tgl.

Bestrahlungstherapie:
Kandidaten für eine Bestrahlungstherapie sind vor allem Patienten, die schon neurologische Ausfälle haben. Die exzessive Sekretion von ACTH durch die Adenohypophyse wird allerdings durch die Bestrahlung nicht sofort reduziert. Es kann Monate oder sogar Jahre dauern bis eine Reduktion der ACTH Sekretion erfolgt. Somit ist in den meisten Fällen eine zusätzliche medikamentöse Therapie neben der Bestrahlung erforderlich. Die am häufigsten verwendete Art der Strahlentherapie ist die Bestrahlung mit einem Linearbeschleuniger oder die Nutzung der Gammastrahlung von Cobalt-60.

Chirurgische Optionen
Wichtig ist eine präoperative Stabilisierung.
Zugang:
Ventrale Lapratomie, Aufsuchen der beiden Nebennieren, Entfernen einer tumorösen Nebenniere oder beider Nebennieren. Nierengefäße und Vcc auf Metastasen kontrollieren. Post OP: Bei Adrenektomie beidseits sind Mineralocorticoide und Glucocorticoide zu substituieren. Weiters Kontrolle der Elektrolyte.

 

Referenzen und Literatur:

• Hämmerling, Renate: Hyperadrenocortizismus. Behandlung mit Vetoryl (Trilostane). In: Kleintiermedizin 6/2006
• Labor Laboklin: Informationsbriefe
• Ramsey, Jan: Hyperadrenocortizismus beim Hund. In: Waltham Focus Heft 3, Jg. 2005